Ein Tag mit Scharlotta in der Celler Klinik

Clinic-Clown Scharlotta in der Celler Kinderklinik


von Sophie Massolle und Daniela Moritz

„Da ist sie ja endlich! – Hallo Scharlotta!“ ruft ein Mädchen und alle Blicke richten sich auf die Glastür des Spielzimmers. Sie geht auf und herein kommt eine bunte Gestalt mit roter Nase, einem Koffer in der Hand, einer Gitarre auf dem Rücken und großen Taschen am Kittel, die viele geheimnisvolle Dinge bergen.

„Hallo!“ ruft die Gestalt, „ich bin Scharlotta und wie heißt ihr?“ Fragend sieht Scharlotta die Kinder an. Inzwischen haben alle ihre Spielsachen weggelegt, selbst der Junge mit dem Walkman hat seine Ohrstöpsel herausgenommen und guckt interessiert zu Scharlotta. Begeistert rufen die Kinder ihre Namen durcheinander. Scharlotta stellt ihren Koffer ab und wendet sich nun jedem Kind einzeln zu. Da wird auch ihre Freundin Lilly, eine große Handpuppe mit quietsch-orangen Haaren wach und begrüßt einen nach der anderen, wobei sie auch die Eltern nicht vergisst.

Einige Kinder sind am Malen, da Scharlotta stellt ihren Koffer auf den Tisch und holt selbst ein Malbuch heraus. „Du“, wendet sie sich an ein kleines Mädchen, „Du, ich hab ein Malbuch, aber da sind keine Bilder drin…“, sagt Scharlotta und blättert traurig in den leeren Seiten herum. „Kannst Du mir da welche reinmalen?“, fragt sie Das Mädchen nickt schüchtern. „Gut, warte mal, wo ist denn ein Stift? Ah, da. Hier!“ ruft Scharlotta und hält dem Mädchen einen Zauberstab hin. „Das ist doch gar kein Stift!“ ruft es kichernd und man merkt, wie die Schüchternheit langsam verfliegt. „Doch, versuch´s doch mal!“, sagt Scharlotta und hält ihr das Malbuch hin.

„Wir brauchen einen Zauberspruch!“, also sprechen alle zusammen: „Abrakadabra – Simsalabim…“ und alle gucken gespannt zu, wie Scharlotta langsam das Malbuch aufklappt. „Boah, wahnsinn, wow!“, kommt es von allen Seiten, denn wie durch Zauberei sind die Seiten des Buches jetzt mit Bildern von Tigern, Clowns und Akrobaten voll… : So wird gestaunt, gespielt und gezaubert.

Schließlich geht es weiter zur Station. Nach der Anmeldung im Schwesternzimmer klopft Scharlotta beim ersten Zimmer an die Tür. “ Hallo, jemand da? Darf ich reinkommen?“ „Ja, okay…“, kommt es aus dem etwas abgedunkelten Zimmer. Also geht Scharlotta rein und stellt sich vor.

Der kleine Junge wird gleich operiert und in seinen Augen glänzt die Angst davor und da kommt Scharlotta natürlich genau richtig. „Du, gut dass ich Dich treffe. Ich bräuchte dringend Deine Hilfe – hier im Krankenhaus läuft ein gefährlicher Räuber herum und den muss ich einfangen. Schau, so sieht er aus…“, sagt Scharlotta und holt einen kleinen roten Schaumstoffball aus der Tasche. Der Junge wundert sich schon ein wenig. „Und der Polizist hier“, sagt sie und holt einen zweiten Ball aus der Tasche, „versucht ihn zu fangen. Aber irgendwie schaffen wir das nicht. Kannst Du mir helfen?“  Fragend sieht Scharlotta den Jungen an. Er nickt schüchtern und gemeinsam beginnen sie mit dem Zauberspiel.

„Gut. Dann nimm mal den Räuber in Deine Hand und ich nehm den Polizisten und los geht es…“…Sie zaubern hin und her und zu guter letzt öffnet der Junge seine Hand und darin sind nicht, wie erwartet ein Ball, sondern zwei rote Bälle. „Wie hast Du das gemacht?“, fragt er und jetzt glänzt in seinen Augen die Neugier, nicht mehr die Angst. Scharlotta hat es geschafft, die Angst ist zumindest für ein paar Minuten verflogen.Beide freuen sich über die gelungene „Räuberjagd, dann gibt es noch einen Luftballon, ein paar Zauberseifenblasen und schon geht es weiter. „Tschüss und viel Spaß bei der Räuberjagd…“ „Tschüüss!“ ruft er munter und ein kleines Lächeln huscht über Scharlottas Gesicht. Sie winkt, nimmt ihre Sachen und auf geht’s zum nächsten Zimmer. (…)

Auf der nächsten Station. Kaum ist Scharlotta durch die Tür, schon kommt eine aufgeregte Schwester angelaufen. „Gut, dass Du kommst. Das kleine Mädchen in Zimmer 8 weint seit einer halben Stunde und egal was ich mache, sie lässt sich nicht beruhigen.“, erzählt die Schwester. „Gut, dann gehe ich als erstes zu ihr und versuche mein Glück“, sagt Scharlotta und klopft an die Tür von Zimmer 8.

Vorsichtig lugt sie ins Zimmer. Augenblicklich hört das kleine Mädchen auf zu weinen. Ganz allein in ihrem Zimmer ist sie völlig gebannt von dieser „roten Nase“, die da hereinschaut. Sie staunt und schaut aufmerksam zu, wie sie von Scharlotta und von Lilly begrüßt wird. Sie selbst redet kaum, lässt sich aber von der Clownin und ihrer bunten Puppe mitnehmen in eine eigene Welt. Seifenblasen fliegen und eine kleine Musik ertönt. Schon nach wenigen Minuten hellt sich ihre Miene deutlich auf. Einige Zeit später verabschieden sich Lilly und Scharlotta, zurück bleibt ein Luftballon und ein etwas ruhigeres Kind - und schließlich freuen sich alle Beteiligten über diese Begegnung. (…)

Daniela Moritz (Scharlotta):

Es sind diese kleinen, manchmal vielleicht unscheinbaren Begegnungen, die für die Einzelnen so wertvoll sind. Kleine Lichtblicke, Momente des Abtauchens in eine andere Welt als die des Krankenhausalltags. Sie scheinen mir ebenso bedeutsam wie die Tatsache, dass wir als Clinic-Clowns oft Kinder über mehrere Wochen oder Monate hindurch begleiten - Kinder und Jugendliche, die wegen chronischer Krankheiten lange Zeit am Stück im Krankenhaus verbringen müssen. Kinder, für die das Leben auf Station schon fast zum „Normalfall“ geworden sind – wenn man hier überhaupt von Normalität sprechen kann. Mit ebendiesen Kindern entwickelt sich oftmals eine sehr innige Beziehung zum Clown. Und gerade für sie ist es äußerst wichtig, dass der Besuch regelmäßig und zuverlässig stattfindet.

Da treffen sie „Ihren“ Clown, mit dem sie spielen, zaubern oder auch einfach reden können – wie mit einem Freund manchmal, auf jeden Fall aber wie mit einem Clown. Ein wenig Kind, ein wenig ernst und hoffentlich immer mit einem Funken Freude.

Ein dicker Dank an dieser Stelle an alle Kinder, denen wir bisher begegnen durften, an alle Eltern, Schwestern, Pfleger, Ärzte und nicht zuletzt allen Spendern, die diese Arbeit möglich machen!!!

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