Klinik-Alltag mit Petronella


Zauberpuste

von Anke Küpper

Ich klopfe an die Zimmertür. "Herein!", sagt eine Frauenstimme. Vorsichtig öffne ich die Tür und stecke meine rote Nase durch den Türspalt.
Ein kleines Mädchen sitzt im Hochstuhl, es hat eine Infusion am Arm, seine Mutter sitzt ihm gegenüber. "Schau mal ein Clown!" sagt die Mutter sofort.

Das Kind schaut ängstlich und schüchtern unter sich. Durch diese Tür kommt täglich mehrfach jemand herein, der an ihm zuppelt, ruckelt, herumtastet oder pieckst. 
"... Gleich ist es vorbei! ... Es tut gar nicht weh! ..." 
Sätze, die oft erklingen. 

Und wer ist diese grosse Frau mit der roten Nase? Ich blase kleine Seifenblasen in Richtung des Kindes - Zauberpuste! Es hebt langsam den Kopf. "Darf ich hereinkommen?" frage ich.
Der Kopf bleibt oben, ich trete ein. Nach mehrmaligem "Zauberpuste"-Pusten geht ein Strahlen über das Gesicht des kleinen Mädchens und es fängt die Blasen aus der Luft. "Pling" - "Plong" beginne ich bei jedem Platzen im Singsang zu sagen, sie schaut mich mit grossen Augen an und grinst.

Ich fange ebenfalls eine dicke Seifenblase und in meiner Hand erscheint plötzlich ein kleiner roter Schaumstoffball. Ich halte ihn ihr hin, sie nimmt ihn strahlend. Wir spielen Ball und ein glucksendes Lachen erfüllt bald das ganze Zimmer!

Der Mutter laufen Tränen übers Gesicht. "Entschuldigung", sagt sie, "ich habe meine Tochter seit Tagen nicht lachen sehen!" Ich spiele weiter mit der Kleinen, damit ihre Mutter einmal richtig loslassen kann.
Als ich gehe, drehe ich mich noch einmal um und winke. Auf der Stupsnase des Mädchens klemmt der kleine rote Ball als Clownsnase, es wird begeistert zurückgewunken!

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